Rowohlt Verlag, 320 Seiten. – Ab 16. September 2011: Hier bestellen
Der alternde Musiklehrer Mauss will es noch einmal wissen und seinen Schülern nicht länger bloß Wissen vermitteln. Er schart die Jugendlichen um sich, eröffnet ihnen im Unterricht ungewohnte Freiheiten. Und es ist zuallererst diese Freiheit, die Johannes Engler stutzig macht. Noch ist der Schulgutachter darum bemüht, jung zu wirken, noch sammelt er Beobachtungen – da hat er sich bereits in eine gerade volljährige Schülerin verguckt. Ein Armutszeugnis, ahnt er. Denn für Clarissa Winterhof dreht sich die Welt vor allem um den Selbstmord ihrer Mitschülerin. Nach und nach erschließt sie sich einen virtuellen Raum zum Trauern: Ihr Blog ist Abgesang und Ouvertüre, ein Ort, an dem die Lebenden und die Toten neu zusammenfinden. Auch Mauss und Engler begegnen sich darin wieder, und wie sich zeigt, als Helden einer ihnen kaum bekannten Geschichte.
Drei Generationen, die Jahre, Jahrzehnte gelebten Lebens trennen. Erst dreistimmig erklingt »Das Lied vom Tun und Lassen«, ein Lied von Freundschaft, Verlust und Neubeginn – welthaltig und voll untergründiger Spannung.
Pressestimmen
»Im Konzert der deutschen Gegenwartsliteratur mag man die Stimme des Autor-Songwriters Böttcher nicht mehr missen. Böttcher hat schon in seinem letzten Roman ›Nachglühen‹ gezeigt, wie man aus der Rückkehr in die Provinz und ein größeres Wir den Honig subtiler Melancholie saugen kann. ›Das Lied vom Tun und Lassen‹ ist ein stiller, ernster, nachdenklicher Roman über Trauer, Verlust und den schmerzlichen Abschied von den ›Coolnesscodes‹ der Jugend.«
Martin Halter, FAZ
»Jeder macht sich ein Bild vom jeweils anderen, ohne einen Begriff für ihn zu haben. Ein permanentes Missverstehen, das von Böttcher nicht moderiert wird. Das macht diesen glänzenden Roman so irritierend und verhilft ihm zu einer inneren Spannung, die bis zum Ende unaufgelöst bleibt. Ein großartiger Autor.«
Christoph Schröder, KulturSPIEGEL
»Jan Böttcher hat mit seinen drei Personen sehr individuelle Stimmen der jeweiligen Generation entwickelt, und sie ergeben ein überraschendes, vielfach schillerndes Bild der Gegenwart. Das Beeindruckende an diesem Roman ist, dass alles vieldeutig bleibt. Und das ist offenkundig der wahre Realismus von heute.«
Helmut Böttiger, Die Zeit
»Behutsam erzählt, lebensklug und voller schöner Beobachtungen.«
Erhard Schütz, Der Freitag
»Jan Böttcher lässt die Leser in die Seele von Menschen von heute schauen, ihre Verzweiflung erkennen, ihre Tapferkeit, auch ihren Wankelmut. Er zeigt in seinem Roman ›Das Lied vom Tun und Lassen‹, wie drei Generationen versuchen, miteinander Nähe und Distanz auszuloten – und das in einer leisen und gerade deswegen eindringlichen Sprache.«
Hans-Heinrich Obuch, Radio Bremen
»Es gibt nicht viele Romane, die man, wenn man sie beendet hat, sofort neu beginnen möchte, weil man am Schluss etwas begriffen hat, weil man etwas dazu gelernt hat, und weil es ein Genuss ist, das, was vorher etwas rätselhaft war, jetzt anders einzuordnen und zu verstehen. ›Das Lied vom Tun und Lassen‹ ist einer dieser Romane.«
Daniela Weiland, Bayerisches Fernsehen
»Ein Roman, dem etwas ebenso Seltenes wie Staunenswertes gelingt: Er vereint Mentalität, Topographie und Historie zu einem atmosphärisch dichten Gesamtbild. In der ihm eigenen Bescheidenheit hat Jan Böttcher mit ›Nachglühen‹ ein stilles Meisterwerk geschrieben.«
Christoph Schröder, Süddeutsche Zeitung
»Jan Böttcher erzählt seine Geschichte unprätentiös, in ruhigem Ton, fast ein wenig altmodisch. Es geht um Isolation, um Erfahrungen, die so demütigend sind, dass sie nicht mitgeteilt werden können – und die gerade deshalb ihre fatale Wirkung entfalten.«
Meike Fessmann, Der Tagesspiegel
»Ostalgie ist over, nun kommt das genaue Erzählen vom fortwirkenden Nachleben der Geschichte. Womöglich wird man dereinst sagen, dass die erste wirklich gesamtdeutsche Literatur ihren Ursprung hatte im Ost-Berliner Laboratorium der grauen goldenen Neunziger Jahre. Allmählich bekommt diese junge Literatur ernsthafte Konturen: ›Nachglühen‹ beweist es.«
Alexander Cammann, taz
»Neben einem ausgeprägten Sinn für die unspektakulär schöne Landschaft, für die traurige Poesie des Nieselregens und der Formation der Zugvögel, beeindruckt ›Nachglühen‹ durch eine subtil-realistische Psychologie, die es schafft, Mentalitätsgeschichte mit politischer Schuldverstrickung zu verbinden.«
Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau
»Sie kommen auf uns zu, ganz leise, die Klänge«: Der Roman kreist um einen Musiklehrer, dessen Unterricht es den Schülern erlaubt, sich in Bands zusammenzufinden. Sie musizieren, schreiben Liedtexte. Und weil Lieder in Büchern immer dazu verleiten, sie auch zu singen bzw. sie gesungen hören zu wollen, haben wir einige der Texte exklusiv für diese Webseite vertont. Für die Produktion im Sommer 2011 zeichnet Fernand Kenzler vom Retox Studio in Berlin verantwortlich, der zusammen mit Jan Böttcher auch die Musik zu »Fünfzehn« und »Das Ende vom Lied« schrieb. Weitere Musik, alle Texte, Stimmen und Gitarren stammen vom Autor.
Auf, du junger Wandersmann (S.129)
Depot (S.214)
Volkslied (S.224)
Fünfzehn (S.240)
Ein Netz (S.270)
Das war meine Schule (S.292)
Das Ende vom Lied (S.302)

Jan Böttcher, geboren 1973 in Lüneburg, lebt als Autor und Singer-Songwriter in Berlin. Nach vier Alben mit seiner Band Herr Nilsson veröffentlichte er zuletzt das Soloalbum »Vom anderen Ende des Flures« (Hörproben unter www.myspace.com).
2003 erschien sein literarisches Debüt »Lina oder: Das kalte Moor«, 2006 der Roman »Geld oder Leben«. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewann Jan Böttcher den Ernst-Willner-Preis; den bald folgenden Roman »Nachglühen« (2008) bezeichnete die Süddeutsche Zeitung als »ein stilles Meisterwerk«. »Das Lied vom Tun und Lassen« ist sein vierter Roman.
Von Böttcher sind auch literaturwissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, unter anderem seine Magisterarbeit zur Prosa von Johannes Jansen. Er ist zudem als Veranstalter tätig, organisierte mit dem Label Kook diverse Lesereihen und »LAN – Drei Tage junge Literatur und Musik«.
Die Lieder zum Roman. Nur hier.
Auf, du junger Wandersmann (S.129)
Depot (S.214)
Volkslied (S.224)
Fünfzehn (S.240)
Ein Netz (S.270)
Das war meine Schule (S.292)
Das Ende vom Lied (S.302)
